Euro in der Krise?

Veröffentlicht am 21.03.2011 in Ortsverein

Gut besucht war eine Veranstaltung des SPD- Ortsvereins Oftersheim im Bürgersaal in der Eichendorffstraße. Trotz des Landtagswahlkampfes ging es nicht um ein länderspezifisches Thema- sondern um unser aller Geld- namentlich den Euro. Mit dem ehemaligen Landtagsabgeordneten des Wahlkreises 40, Karl-Peter Wettstein, hatte der Ortsverein einen hochkompetenten und immer noch beliebten Referenten gewonnen, der mit dem Thema sehr vertraut ist.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden Werner Kerschgens legte der Referent sofort los. Bereits seit dem Jahre 2002 gebe es den Euro als Bargeld, knapp ein Jahrzehnt später gebe es die erste große Krise, einige Euro-Länder bekämen ein schlechtes " Rating" von den entsprechenden Agenturen und müssen deswegen für ihre Anleihen hohe Zinsen bezahlen. Schon vor der Einführung des Euro als Zahlungsmittel war die neue Währung diskutiert worden, die Hauptgründe für die Einführung des Euro nannte Wettstein wie folgt: Zum einen sei die Stärkung des Zusammenhaltes in der EU ein Ziel gewesen, zum anderen wollte man dem Dollar nicht die alleinige Rolle als Weltleitwährung überlassen.
Im Zuge der Weltfinanzkrise sei auch der Euro etwas ins Schlingern geraten, auch weil sehr aggressiv gegen ihn spekuliert wird. Im Innenverhältnis sei der Euro mindestens genau so stabil wie die alte Deutsche Mark, die Inflationsraten konnten durch die EZB ziemlich niedrig gehalten werden, externe Schocks wie das rasche Ansteigen der Erdölpreise einmal ausgenommen. Erheblich verbessert haben sich die Möglichkeiten für verschiedene Teilnehmer des Wirtschaftslebens. Die Verbraucher können innerhalb der Euro-Zone verreisen, ohne das Geld umtauschen zu müssen und direkt vor Ort die Preise vergleichen und die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern selber ermitteln. Die Wirtschaft braucht ebenfalls nicht mehr umzurechnen und hat vor allem kein Wechselkursrisiko mehr zu tragen. Über die Hälfte des ganzen Außenhandels der Bundesrepublik wird übrigens mit der Euro-Zone abgewickelt, ein wohlstandssichernder Faktor für alle.
Daraufhin ging der Referent auf die aktuelle Schuldenkrise der sogenannten PIIGS- Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) ein. Seiner Meinung nach gebe es gar keine Überschuldungskrise, es gebe lediglich einen Liquiditätsengpass für die betroffenen Staaten. Schon bei der Einführung des Euro habe man sich nicht an alle in Maastricht beschlossenen Kriterien gehalten. Belgien etwa war zu dieser Zeit höher verschuldet gewesen als heute Griechenland, hat seine Staatsschulden aber mittlerweile reduziert, ein Beispiel dafür, dass man auch hohe Staatsschulden abbauen kann. Durch die schlechte Bonitätsbewertung der US- amerikanischen Ratingagenturen sind die Zinsen für die ausgegebenen Anleihen sehr hoch, deswegen befürwortet Karl-Peter Wettstein auch einen erweiterten Rettungsschirm. um der Spekulation den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wenn sich die Käufer von Staatsanleihen zurück halten, wird die Refinanzierung immer schwieriger und die Wirtschaft der betroffenen Staaten gerät in die Rezession. Das alte Mittel der Abwertung steht den Staaten nicht mehr zur Verfügung, also müsste die Wettbewerbsfähigkeit anderweitig erhöht werden.
Eine Lösung für die Liquiditätsprobleme wäre die Ausgabe von sogenannten Euro- Bonds , für die alle Staaten des Währungsraumes und die Zentralbank garantieren. Der Zinssatz wäre für die schwächeren Länder erheblich niedriger und damit leichter zu schultern. Keine besonders Rolle spielen in diesem Fall die USA mit der Weltleitwährung Dollar. Schaue man sich die Neuverschuldungsraten in den Vereinigten Staaten näher an, so komme Griechenland im Vergleich gar nicht so schlecht weg. Der Vorteil einer Leitwährung liege darin, dass man das Geld einfach drucken könne, was die Federal Reserve (Notenbank der USA) auch leidlich tue. Mit dem Ende des Dollars als Weltleitwährung gerate auch die Rolle der USA als ökonomische Vormacht des Planeten ins Wanken. Eine immer größere Rolle spiele allerdings das erstarkende China. Mit Staatsanleihen der Vereinigten Staaten in Billionenhöhe! ausgestattet, versuche dieses Riesenreich jetzt auch in Europa Fuß zu fassen und habe schon mehrere Milliarden in europäische Staatsanleihen investiert. Der Euro werde vorerst nicht mit dem Dollar als Weltreservewährung konkurrieren können, aber die Zukunft bleibe spannend. "Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, die Rückkehr der alten Währungen wäre Wahnsinn" , so der Schlussappell des Referenten. Stürmischer Applaus von Seiten des Publikums erklang nach der Beendigung des wirklich sehr informativen Vortrags.
In der abschließenden Fragerunde wurde noch festgestellt, dass der Euro eben nur in ganz bestimmten Unternehmen (z.B. in Gaststätten) wirklich ein "Teuro" war. Auch eine Währungsunion könne nicht stehen bleiben, denn ursprünglich war und ist der Euro zunächst einmal ein politisches Projekt, das auch teilweise das Primat der Politik wieder herstellen sollte. Noch einige Bemerkungen mit der ebenfalls anwesenden Landtagsabgeordneten Rosa Grünstein über die bevorstehenden Landtagswahlen wurden gemacht, dann gingen die Zuhörer um einige Erkenntnisse reicher nach Hause.

Ingo Staudt

 

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