Auch wenn die Sommerferien bzw. deren Beginn unmittelbar bevorstand, so beschäftigte sich der sozialdemokratische Ortsverein Oftersheim auf der letzten Vorstandssitzung noch einmal mit dem Thema Schule, genauer gesagt mit der Gemeinschaftsschule.
Auch wenn die Sommerferien bzw. deren Beginn unmittelbar bevorstand, so beschäftigte sich der sozialdemokratische Ortsverein Oftersheim auf der letzten Vorstandssitzung noch einmal mit dem Thema Schule, genauer gesagt mit der Gemeinschaftsschule.
Als Referenten hatte man den Wieslocher Schulleiter Rüdiger Kolb gewonnen, der vom Ortvereinsvorsitzenden Jens Rüttinger begrüßt und kurz vorgestellt wurde. Nach der Gegenvorstellung der anwesenden Genossen kam er gleich zum Thema und stellte die Gemeinschaftsschule als neue Schulform per Film vor.
Wie immer, wenn Neuerungen geplant sind, gibt es eine Menge Unsicherheit auf allen Seiten. Gemeinschaftsschule ?! Was ist das, was soll das und warum denn überhaupt, das sind die Fragen , die gestellt werden, es kommen wohl noch andere Fragen hinzu. Zunächst einmal gilt es, die vorhandenen Schulformen unter die Lupe zu nehmen. Grundschule, Haupt,-Realschule und Gymnasium sowie die Förderschulen bleiben erhalten, die Gemeinschaftsschule soll als neuer Schultyp hinzukommen, so die Pläne der Grün-Roten Landesregierung. Die meisten Probleme haben derzeit die Hauptschulen, wie nicht nur Oftersheim und Plankstadt am hiesigen Beispiel bestätigen. Selbst die Erweiterung um die Werkrealschule hat das negative Image der Hauptschule nicht ändern können, ihre Absolventen haben auf dem Arbeitsmarkt nicht viele Chancen.
Außerdem wird die Belegung der noch existierenden Hauptschulen immer dünner, oft reicht es selbst in einer relativ großen Gemeinde wie Oftersheim nur noch für eine weiterführende ( fünfte) Klasse, da alle Eltern ihre Kinder auf die Realschule oder das Gymnasium bringen wollen. Wenn schon Oftersheim solche Probleme hat, wie muss es dann erst im ländlichen Raum aussehen?! Die Zusammenlegung von Schulen löst kein Imageproblem, nur kurzfristig auch die Belegungsprobleme.
Da die Infrastruktur durchaus vorhanden ist, ist nun die Errichtung von Gemeinschaftsschulen geplant. Sie soll sämtliche bisherigen Schultypen in sich vereinigen, das heisst man kann bei entsprechender Ausstattung alle jetzigen Abschlüsse an der Gemeinschaftsschule machen. Das Lernen als solches wird sehr viel individueller, auf den einzelnen Schüler oder die einzelne Schülerin hin ausgerichtet. Es gibt zwar nach wie vor Klassen, aber innerhalb der Klasse sehr unterschiedliche Leistungsniveaus, was aber nicht für alle Fächer gelten muss. Die Idealgröße einer Klasse in einer Gemeinschaftssschule läge bei etwa 20 Schülern, mehr als 28 sollen es auf keinen Fall werden. Der Schüler soll im Laufe seiner Lernkarriere dazu befähigt werden ,sein eigenes Leistungsvermögen immer besser selbst einzuschätzen, auch wird die meiste Zeit in relativ kleinen Lerngruppen von etwa 4 Schülern verbracht, da in der Kleingruppe das Konzentrationsniveau steigt.
Eine starke Veränderung gäbe es bei der Rolle des Lehrenden, der Lehrer oder die Lehrerin wäre in der Gemeinschaftsschule der Begleiter des individuellen Lernprozesses, eine Art Lerntrainer. Der Frontalunterricht würde nur noch dehr selten zum Einsatz kommen und am Anfang wäre der zusätzliche Aufwand für das Lehrpersonal um einiges höher als bisher, denn man müsste sehr viel umfangreicher auf den einzelnen Schüler mit seinen Stärken und Schwächen eingehen, um ihn besser fördern zu können. Es gibt auch in der Gemeinschaftsschule Bewertungen von Lernleistungen und Prüfungen, die Fortschritte werden in Lerntagebüchern dokumentiert und festgehalten. Die Bewertung als solche erfolgt in einem Punktesystem, das in die bisherigen Noten umgerechnet werden kann. Ebenso sollen in der Bewertung auch die Lernfortschritte und Dinge wie soziales Verhalten einfließen.
Ebenfalls interessant ist die Inklusion, früher sprach man von Intergration. Behinderte und Nichtbehinderte lernen von Anfang an gemeinsam, was an die Ausstattung der Schulen und damit deren Träger ( Kreis oder Kommune) hohe Anforderungen stellt. Aber wenn man die aufgrund ihres Handicaps ohnehin Benachteiligten dieser Gesellschaft in eben diese einschließen will, so ist dieses Konzept ein großer Fortschritt gegenüber der jetzigen Situation. Eine enge Kooperation zwischen Schule, Eltern, Kommune und Verbänden oder Vereinen ist wichtig , um diesem lobenswerten Versuch zum Durchbruch zu verhelfen. Die Gemeinschaftsschule ist von vorne herein als Ganztagsschule konzipiert, denn sie soll nicht nur Lernort, sondern auch Begegnungsstätte sein. Die Gemeinschaftsschule würde auch für Oftersheim eine neue Perspektive bieten, denn über kurz oder lang würde am Ort wohl die Sekundarstufe verschwinden und alle Schüler ab der fünften Klasse in der Umgebung beschult werden. Die Schule bliebe ortsnah, die Identifikation der Einwohner mit " Ihrer " Schule würde wieder besser. Jetzt hat Oftersheim seht viele Kinder, vor allem aufgrund des Neubaugebietes. Es wäre sehr schön, wenn zumindest ein Teil dieser Kinder eine Oftersheimer Gemeinschaftsschule besuchen würde, denn Schulen sind mit die wichtigsten öffentlichen Gebäude einer Gemeinde.
Die Oftersheimer SPD wird sich noch weiter mit diesem Thema beschäftigen, spricht sich aber klar für eine Gemeinschaftsschule in der Heimatgemeinde aus.
Ingo Staudt