Fraktion berichtet aus der Gemeinderats-Sitzung
Fraktion berichtet aus der Gemeinderats-Sitzung
Die Zustimmung zur Ganztagsschule war für die SPD-Fraktion keine Frage, hat sie doch selbst vor zwei Jahren den Antrag für diese wichtige Verbesserung gestellt, dem der Gemeinderat und Bürgermeister Helmut Baust damals gefolgt sind. Jetzt waren Konrektor Georg Häffner und Lehrer Peter Brauch von der Theodor-Heuss-Schule anwesend, um das aktuelle pädagogische Konzept dem Gemeinderat zu erläutern. Reinhard Reusch - von einem Beratungsunternehmen - skizzierte den Raumbedarf.
Gemeinderat Rainer Ruhland gab die Stellungnahme für die Fraktion ab und brachte zum Ausdruck, dass sich die SPD bereits in der Gemeinderatssitzung vor vier Monaten mit Genugtuung und Freude darüber geäußert hat, dass ihr Antrag vom November 2004 auf Einrichtung einer Ganztagsschule, nach ziemlich skeptischen Einschätzungen vieler, nun doch umgesetzt werden soll. Schon im Schuljahr 2006/2007 kann mit dem Testbetrieb begonnen werden.
In dem Konzept für die Theodor-Heuss-Schule wird auf zentrale Themen wie Soziales Lernen, Werte-Erziehung, Methoden-Training und Teamfähigkeit hingewiesen. Dies alles ist mit unserer traditionellen deutschen Halbtagsschule nicht mehr zu erreichen, führte Rainer Ruhland aus. Besonders die Hauptschule verkümmert immer mehr zu einer Rest-Schule, wo sich die vielfach dramatischen Entwicklungen der familiären, der schulischen und der pädagogischen Bedingungen in besonderer Weise negativ auswirken.
Rainer Ruhland betonte, der Grundsatz-Beschluß, den wir heute fällen und zu dem wir erwarten, dass die dazugehörigen Genehmigungs- und Förderanträge von der entsprechenden Landesbehörde auch positiv beschieden werden, ist für die SPD ein erster Schritt zum langfristigen Ziel einer gebundenen Ganztagsschule von der ersten Klasse an. Daß wir auf dem richtigen Weg sind, zeigt sich daran, dass das begonnene offene Ganztagsschul-Angebot gut angenommen wurde. Die politischen Forderungen der SPD gehen über diesen ersten Schritt hinaus. Wir erwarten für die Zukunft, dass jedes Kind die Chance haben soll, auch am Nachmittag pädagogisch betreut und gefördert zu werden. Wir erwarten, dass jedem Kind ein qualifizierter Bildungs-Abschluß - entsprechend seiner Begabung - ermöglicht wird und zwar ohne Rücksicht auf die finanzielle Situation der Eltern. Hier liegt das reiche Deutschland, auch Baden-Württemberg, im europäischen Vergleich so ziemlich an letzter Stelle, was geradezu skandalös ist.
Rainer Ruhland: Womit ich beim lieben Geld angelangt wäre. Es ist schon etwas eigenartig, wenn auch hier in unserer Vorlage wieder die finanziellen Folgen und Belastungen dieser Maßnahme so in den Vordergrund gestellt werden, dass es einem Angst und Bange um die Gemeindefinanzen wird. Natürlich muß man alles sorgfältig berechnen und abwägen, aber in diesem, für die Zukunft unserer Gesellschaft so wichtigen und zentralen Bereich wie der Bildung unserer Kinder und ihrer Vorbereitung auf das Berufsleben, dürfen die finanziellen Belastungen für uns nicht ausschlaggebend sein. In der Frage der Finanzierung dieser Bildungskosten hat sich unsere Landesregierung wieder einmal nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Entscheidungen des Landes, so wie sie uns in der Beschlussvorlage beschrieben werden, sind nicht nur befremdend und bestürzend, sondern in dem, laut Wahlslogan der CDU so kinder- und familienfreundlichen Land Baden-Württemberg, wiederum geradezu skandalös.
Rainer Ruhland bedankte sich für die umfangreichen Vorarbeiten bei Rektor Klemm und Konrektor Häffner, den Lehrern, den Elternvertretern sowie dem Förderverein der Theodor-Heuss-Schule und der Leitung des Amts für Schulaufsicht und Schulentwicklung des Rhein-Neckar-Kreises, sowie auch bei der Verwaltung, die sich trotz anfänglicher Skepsis für den Antrag der SPD eingesetzt hat.
Wie wichtig die Ganztagsschule ist, begründete dieser Tage eine große überregionale Zeitung im Zusammenhang mit Killerspielen. Ein Verbot von Killerspielen bekämpft lediglich ein Symptom, aber noch lange nicht die Ursache des Problems. Kinder und Jugendliche müssen sich wieder mehr für Literatur, Kultur, Kunst, Natur und Musik begeistern und die Pädagogen und Erzieher sind gefordert, dies interessant und spannend den Jugendlichen zu „verkaufen“. Hierzu muß man ihnen Angebote machen. Die Ganztagsschule, die nun vielerorts eingeführt wird, ist ein solches Angebot.
Peter Wierer