Sehr geehrter Herr Bürgermeister Baust,
werte Kollegen,
verehrte Besucher,
lieber Janfried, lieber Gerhard.
1980 - ein denkwürdiges Jahr!
- die Partei „Die Grünen“ gründen sich
- die Sommerzeit wurde eingeführt
- das Eherecht wurde reformiert, „Schuld“ und „Zerrüttung“ spielen keine Rolle mehr
- für die Verfilmung „Die Blechtrommel“ nach dem Roman von Günter Grass gab es einen Oscar
- der Zauberwürfel eroberte Deutschland
und am 22. Juni 1980 wurden 3 neue für die SPD in den GR gewählt, von denen man noch einiges hören sollte!
Die SPD-Fraktion errang bei der GR-Wahl 1980 9 Sitze und wurde wieder stärkste Fraktion.
Die Fraktion bestand somit aus Heinrich Zwick, Philipp Weber, Willi Staudt, Walter Förster, Robert Schmieder, Otto Heger, sowie den neu gewählten Gemeinderäten Dr. Klaus Gottschall, Janfried Patzschke und Gerhard Wenner.
2 von ihnen gilt es heute zu ehren: Gerhard Wenner und Janfried Patzschke.
Gerhard Wenner trat 1970 in die SPD ein, war über 12 Jahre Ortsvereinsvorsitzender, Gründer des Kommunalpolitischen AK und ist heute unser Fraktionssprecher.
Janfried Patzschke trat 1979 in die SPD ein, viele Jahre war er stellvertretender OV-Vorsitzender, SPD-Kreisvorstandsmitglied, Fraktionssprecher, und heute stellvertretender Fraktionssprecher, Kreisrat, sowie Bürgermeisterstellvertreter.
Der Einzug in den Gemeinderat war für die Neulinge sicher keine leichte Aufgabe, bestand doch die Fraktion aus gestandenen Kommunalpolitikern, die mit überzeugenden Argumenten und scharfer Zunge ihre Meinung vertreten konnten.
Aber die Neulinge waren ja auch nicht gerade irgendwelche! Es waren die jungen Wilden der SPD!!!
Aus einem großen Kreis entschlossener junger Menschen im Juso – Alter, schafften es Janfried Patzschke und Gerhard Wenner durch eine engagierte Mitarbeit die Altvorderen von sich zu überzeugen und bei der GR-Wahl einen aussichtsreichen Listenplatz zu erhalten.
Die Zeit der politischen Ausbildung war für sie nicht einfach, ich weis von diversen Abenden bei Philipp Weber, der bei Dosenwurst und etwas zu trinken wird es sicherlich auch gegeben haben, den Ausgleich zwischen den Generationen suchte.
Zu der Zeit als Robert Schmieder Fraktionssprecher war, herrschte eiserne Ordnung und Disziplin. Und als Neuer musste man sich erst einmal „seinen Platz“ in der Fraktion erarbeiten.
Rederecht wurde in der Sitzung vom Fraktionssprecher „erteilt“, Besucher aus der Partei waren nicht besonders erwünscht.
Ich lernte euch, lieber Gerhard, lieber Janfried mit meinem Parteieintritt 1992 kennen.
Als Parteimitglied dufte man damals schon an den Sitzungen der Fraktion teilnehmen, wurde aber von den „älteren Herrschaften beäugt“. Nachdem der öffentliche Teil der Gemeinderatssitzung vorbei war, musste man den Raum (heute ist dort die Gemeindebücherei) verlassen und draußen auf der Treppe Platz nehmen und warten bis die Tür wieder geöffnet wurde. Danach ging es etwas geselliger zu.
Ich durfte sogar Fragen stellen, musste mich aber kurz fassen, denn die Blicke von manch älterem Mitglied konnte schon bohrend sein. So erlebte ich die ersten Fraktionssitzungen als Besucher.
Dieser Stil änderte sich mit Gerhard Wenner und Janfried Patzschke zunehmend. Er wurde offener und demokratischer.
Nun konnte man sogar seine Meinung sagen und mitdiskutieren. So kamen mehr Besucher und die Sitzungen wurden lebhafter.
Ich glaube allerdings, jetzt wo die Zeit der “Jungen Wilden“ vorbei ist, denkt ihr des öfteren an eure älteren Kollegen zurück.
In meinen ersten Gemeinderatssitzungen welche ich besuchte, empfand ich euch beiden, als die „großen der Oftersheimer SPD“.
Manche sprachen innerparteilich scherzhaft von „Kaiser und König“. Also, 2 absolute Profis der Kommunalpolitik.
Für mich ward und seid ihr die herausragenden Persönlichkeiten der Oftersheimer SPD in den letzten 2 Jahrzehnten.
Gerhard, du der manchmal etwas hart und mit der Hammer-Methode deinen Standpunkt vertrittst, dabei aber fachlich bestens vorbereitet bist, verkörperst noch die alte Schule der gewerkschaftlich-orientierten Linken in der SPD.
Wenn Du Gerhard, so waren meine Eindrücke vor über 10 Jahren deine Haltung oder die der SPD im Gemeinderat vertratst, gab es manchmal Entrüstung und eine vehemente Gegenrede vom politischen Gegner vis-a-vis. Aber ich glaube, das hast du beabsichtigt und auch gebraucht.
Nach der Gegenrede der politischen Gegner kamst dann du Janfried ins Spiel. Mit viel Fingerspitzengefühl, manchmal auch etwas „oberlehrerhafter Art“ (sagte zumindest ein politischer Gegner, welcher sich in diesem Metier bestens auskennt), unterbreiteste du dann einen Kompromissvorschlag, dem sich die Mehrheit anschließen konnte, übrigens dann auch Gerhard.
Mit dieser politischen Zeremonie konntet ihr beiden viel für die Oftersheimer SPD und unser Oftersheim erreichen. So kam ich zu der festen Überzeugung:
Ihr beiden gehört zusammen, wie das Eiweiß zum Dotter, obwohl ihr unterschiedlicher nicht sein könntet!
Geprägt wurde dieses politische Miteinander von einer tiefen persönlichen Freundschaft.
Auch wenn ihr nach 25 Jahren etwas ruhiger und etablierter geworden seid, die Aushängeschilder unserer SPD seid ihr immer noch!
So wie ihr damals von den Frontmännern der SPD gelernt habt, so lernten wir bei euch. Und es ist gut, dass ihr mir und den anderen „Neuen“ die Chance gebt von eurem breiten Wissens- und Erfahrungsschatz zu profitieren.
Als Vertreter der SPD wünsche ich euch von ganzem Herzen alles Gute für euer Wirken im Gemeinderat, vor allen Dingen aber Spass und Freude an der politischen Arbeit.
Nicht vergessen möchten wir die Familien von Gerhard und Janfried, die viel Zeit ohne ihre Männer und Väter verbringen mussten. Auch bei euch dürfen wir und bedanken, dass ihr bereit wart, dieses Opfer zu erbringen.
Ich danke euch lieber Gerhard, lieber Janfried für diese 25 Jahre und darf euch als Zeichen unserer Anerkennung diese Gabe überreichen.
Jens Rüttinger